Am 18. Mai 2014 erfolgte die Einweihung der Rundwege „Wege des Erinnerns, Mahnung gegen das Vergessen!“, die mit unterschiedlicher Länge an Orten vorbei führen, die mit den Außenstellen des Konzentrationslagers Neuengamme in Verbindung stehen. An historisch bedeutenden Stellen werden die Ereignisse zwischen März 1944 und April 1945 erfahrbar, die Auseinandersetzung mit der furchtbaren Behandlung, die die Häftlinge erdulden mussten, wird möglich, dem Gedenken wird Raum gegeben. Sechs große Tafeln wurden fertiggestellt, weitere kleinere Tafeln werden noch erarbeitet. Mit der Veranstaltung hat der Verein zugleich einen Flyer und seine Internetseite, zu finden unter www.gedenkstaette-porta.de, veröffentlicht. Weiterhin können ab sofort Führungen über den Verein gebucht werden.

Die Einweihungsveranstaltung im Forum des Schulzentrums Süd mit etwa 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fand in einem sehr feierlichen und würdevollen Rahmen statt. Das Lehrerensemble der Musikschule der Stadt Porta Westfalica eröffnete und begleitete das Programm musikalisch auf hohem Niveau mit ausgewählten Stücken von Paolo Benedetto Bellinzani (1690 – 1757), Ernest Bloch (1880 – 1959), Benedetto Marcello (1686 – 1739). Bürgermeister Stephan Böhme, der zugleich 1. Vorsitzender des Vereins ist, grüßte die Angehörigen und die noch lebenden ehemals in Porta Westfalica internierten KZ-Häftlinge JØrgen Kieler in Dänemark, Kristyna Zaorska-Burczyk in Polen und Eva Lux Braun in den USA. Eine Grußadresse von Robert Hochstadt, Australien, dessen Mutter Olga Perlmutter im Alter von 13 Jahren vom KZ Auschwitz nach Porta Westfalica-Hausberge deportiert wurde, wurde verlesen.

Katarzyna Recht berichtete über ihre Erfahrungen bei einem Besuch in Porta Westfalica vor mehr als 10 Jahren und über ihre Suche nach dem Grab der Großmutter Henryka Zaorska. Sie verlas ein bewegendes Schreiben ihrer Mutter Krystyna Zaorska-Burczyk an die Stadt Porta Westfalica und an die Teilnehmer der Veranstaltung. Henryka und Krystyna Zaorska wurden beide noch in den letzten Wochen vom KZ Ravensbrück nach Porta Westfalica-Vennebeck deportiert. Henryka Zaorska starb mit 38 Jahren in Vennebeck an Schwäche, Krystyna Zaorska, damals 14 Jahre alt, überlebte.

Bert de Raaf, Neffe von Albertus de Raaf, sprach sehr eindrücklich darüber, wie innig seine Familie stets an den verschollenen Bruder, Schwager und Onkel erinnerte und wie er dies als Kind erlebt hat. Albertus leistete gegen die Nationalsozialisten Widerstand und wurde mit 20 Jahren in den Niederlanden verhaftet. Er starb im Dezember 1944 im Lager in Lerbeck. Seine sterblichen Überreste konnten nach 60 Jahren in die Niederlande zurückgeführt werden.

Als Hausbergerin und Zeitzeugin sprach Marianne Domke von ihren Erlebnissen im Nationalsozialismus in Porta Westfalica-Hausberge. Ihr Bericht brachte die Geschehnisse hier vor Ort aus Sicht der Bevölkerung sehr nahe. Irmingard Rachfall vom Seniorenbeirat sprach dann über die seit vielen Jahren durchgeführten Zeitzeugengespräche an Schulen und machte deutlich, wie wichtig eine Erinnerungskultur ist und wie offen und interessiert sich die Schülerinnen und Schüler in diesen Gesprächen zeigen.  Die Schülerin Anna-Sophie Malecha trug in beeindruckender Weise ein Gedicht vor, dass sie nach dem Besuch der KZ Gedenkstätte Auschwitz verfasst hat, und beschloss damit den ersten Teil der Veranstaltung, der der persönlichen Erinnerung der Zeitzeugen und Angehörigen gewidmet war.

Vorträge zur Geschichte der Außenlager hielten Dr. Detlef Garbe, Direktor der KZ-Gedenkstätte und Thomas Lange, Historiker und Kassierer des Vereins. Thomas Hartmann, 2. Vorsitzender des Vereins, sprach über die Erinnerungskultur in Porta Westfalica. Im Anschluss wurde an der Informationstafel in Hausberge am Standort „Grüner Markt“ eine weiße Rose gepflanzt, ein Kranz niedergelegt und in einer Schweigeminute den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedacht.  Es wurde von der Musikschule das Stück Shalom Chaverim gespielt. Es folgte noch ein Gang über die Weserbrücke zum Standort in Barkhausen am ehemaligen Hotel „Kaiserhof“, in dem das Außenlager in Barkhausen untergebracht worden war.

„Diese Veranstaltung“, so Bürgermeister Stephan Böhme, „wurde von den Gästen wie von den Teilnehmenden als außerordentlich würdevoll und bewegend erlebt. Es gab im Nachhinein sehr viele Rückmeldungen des Dankes und der Anerkennung. Hiervon bin ich als Bürgermeister und als Vorsitzender des Vereins zutiefst berührt. Auch wenn es lange gedauert haben mag, bis die Stadt Porta Westfalica mit ihrer Geschichte diesen Schritt in die Öffentlichkeit gemacht hat – es hat sich gezeigt, dass sehr viele Bürgerinnen und Bürger dahinter stehen und offen mit diesem dunklen Abschnitt der Stadtgeschichte umgehen wollen. Dazu gehören auch die Menschen, die die Arbeit des Vereins fachlich, organisatorisch und finanziell unterstützen.“

Der Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica e.V. hat sich in Zusammenarbeit mit der Stadt Porta Westfalica 2009 gegründet, um die Geschichte des Nationalsozialismus in Porta Westfalica allgemein und insbesondere um die Geschichte der Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme in Porta Westfalica aufzuarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Noch Jahrzehnte nach Kriegsende ist vielen Menschen in der Region nicht bekannt, dass in ihrer unmittelbaren Nähe Menschen unter brutalen und unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten. „Nicht wissen wollen ist die bedingungslose Kapitulation“, wird Pierre Bleton, ein damals im Außenlager internierter französischer Häftling, auf dem Mahnmal in Porta Westfalica Hausberge zitiert. Dies ist dem Verein Verpflichtung und er hat sich zum Ziel gesetzt, Erinnerungsarbeit durch Forschung und Zeitzeugenbefragung zu leisten, eine Dokumentations- und Gedenkstätte aufzubauen, die historischen Stätten zu pflegen und zu erhalten und die Öffentlichkeit durch Informationen aufzuklären.

Im Folgenden können Sie die Beiträge der Vortragenden noch einmal nachlesen.