Projektfortschritte – Vom Gedenkort zur Gedenkstätte

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Das Projekt zur Einrichtung einer Gedenkstätte für die drei Außenlager des KZ Neuengamme an der Porta Westfalica ist weiter voran gekommen. Die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica hat in den vergangenen Jahren hierfür viel Unterstützung und Hilfe erfahren. Doch es gilt weiterhin: Auf dem Weg zu einer Gedenkstätte als Lern- und Gedenkort zählt jeder kleine Baustein.

Nach den vergangenen fünf Jahren kann der Verein eine erstaunliche Bilanz ziehen. Es begann mit der Veranstaltung zu der Eröffnung der „Wege der Erinnerung“ im Jahr 2014, 2015 folgte die von der Öffentlichkeit sehr beachtete Internationale Tagung zu den Außenlagern und bis 2017 wurden 3000 Personen durch die Anlage im Jakobsberg geführt. Aktuell haben sich ca.  5500 Personen für eine Führung in der Anlage im Jakobsberg angemeldet. Da die behördlichen Genehmigungen vorliegen bietet der Verein in den Monaten Juni, Juli und August wieder ca. 100 Führungen an und ermöglicht so etwa 2400 Personen eine Teilnahme. In Abständen werden diese Personen derzeit über das Buchungsverfahren informiert.

Die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte hat 2018 den Projektplan „Vom Gedenkort zur Gedenkstätte“ initiiert, um langfristig die ehemalige Untertageverlagerung Dachs 1 zu einem überregional bedeutenden Gedenk- und Lernort zu entwickeln. Bürgermeister Bernd Hedtmann, zugleich 1. Vorsitzender des Vereins, stellt hierzu fest:

„Um das ganze Projekt zu realisieren, sind eine hohes Maß an ehrenamtlichem Einsatz, die Unterstützung der Behörden und vor allem auch die Unterstützung und das Interesse der Bevölkerung die entscheidenden Faktoren. Die bisherige Bilanz ist herausragend. Das zeigen erste Förderzusagen, die Spendenbereitschaft der Bevölkerung und die hohen Anmeldezahlen. Doch es liegt noch ein gutes Stück Weges vor uns.“

Der Projektplan ist in vier Bausteine unterteilt, die aufeinander aufbauen und verschiedene Aspekte der Schaffung einer Gedenkstätte in den Fokus nehmen.

Im ersten Baustein werden die technischen Voraussetzungen für einen Besucherbetrieb hergestellt und im Einklang mit Denkmal- und Artenschutz die Sicherung und Erhaltung der Anlage vorangetrieben. Die ehemalige Untertageverlagerung Dachs 1 im Jakobsberg wurde von der Bergbehörde Arnsberg unter Bergwerksrecht gestellt und seither kann der Betrieb als Besucherbergwerk geführt werden. In enger Abstimmung mit der Bergbehörde erfolgen bauliche und technische Maßnahmen zur Sicherung der Anlage, die von Fachfirmen und durch die ehrenamtliche Leistung der Vereinsmitglieder umgesetzt werden. Das Jahr 2018 diente dazu, rechtliche Fragen zu klären und ein artenschutzrechtliches Gutachten mit dem Fokus auf die schützenswerte Fledermauspopulation sowie ein geologisches Gutachten vom Geologischen Dienst des Landes NRW erstellen zu lassen. Vor den kommenden Führungen wurde damit begonnen, die Anlage für einen regelmäßigen Betrieb als Besucherbergwerk ertüchtigt.

Im zweiten Baustein führt die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte ein zum Teil vom Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) gefördertes Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem LWL-Institut für Westfälische Regionalgeschichte durch. Hierbei geht es um die  Aktualisierung des wissenschaftlichen Forschungsstands, der als Grundlage für den Aufbau einer Gedenkstätte unbedingt erforderlich ist und u.a. der Erstellung von pädagogischen Materialien, einer Ausstellung sowie einer umfassenden Online-Dokumentation dient.

Im dritten Baustein  wird ein Gebäude in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Untertageverlagerung Dachs 1 geplant und realisiert, um hier die Ausstellung und einen ganzjährig verfügbaren Lernort entstehen zu lassen.

Der vierte Baustein beinhaltet  den  Start eines regulären Gedenkstättenbetriebes mit der notwendigen sächlichen und personellen Ausstattung.

Derzeit arbeitet der Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica e.V. an der Umsetzung der Bausteine 1 und 2. Hierfür wurden bereits Kooperationsvereinbarungen getroffen und Fördergelder beantragt. Dennoch ist der Verein für die Realisierung einer Gedenkstätte auch weiterhin angewiesen auf Förderung und Unterstützung durch öffentliche  Mittel, durch Sponsoring und Spenden aus Wirtschaft und Bürgergesellschaft. Viele Teilprojekte können mit finanziellen Mitteln unterstützt werden. Umfassende Informationen zum Projekt und zu den Ansprechpartnern finden sich in der Broschüre, die der Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica erstellt hat.

 

Broschüre Vom Gedenkort zur Gedenkstätte