Verschoben auf den 31.03.2022 – Vortrag: Schmieröl – Zwangsarbeit – Erinnerung. Unternehmerische Beteiligung am Projekt „Dachs I“ an der Porta

Verschoben vom 02.Dezember 2021 auf den 31.März 2022

Am 31.März 2022 ist Dr. Eva Pietsch mit einem Vortrag zum Thema "Schmieröl - Zwangsarbeit - Erinnerung. Unternehmerische Beteiligung am Projekt Dachs I an der Porta" im Bürgerhaus Porta Westfalica zu Gast.  Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei, eine Teilnahme ist aktuell möglich bei Vorlage eines Covid19-Impf- oder Genesungszertifikats (2G-Regel).

In das Projekt Dachs I, das den Betrieb einer unterirdischen Raffinerie für Schmierstoffe im Jakobsberg vorsah, waren zahlreiche Firmen einbezogen. Sowohl kleine wie mittelständische Betriebe vor Ort und aus der Region als auch Großkonzerne der deutschen Mineralölindustrie wirkten an dem monströsen Versuch mit, in der letzten Kriegsphase an der Porta Westfalica untertage eine bombensichere Raffinerie zu errichten, um die deutsche Wehrmacht im Kampf um den „Endsieg“ mit erdölbasierten Schmierölen zu versorgen. Ausgehend vom Forschungsstand zum Bauvorhaben Porta sowie den KZ-Aussenlagern in Barkhausen, Lerbeck-Neesen und Hausberge beleuchtet der Vortrag die Rolle der Neue Erdöl Raffinerie AG (NERAG) aus Hannover-Misburg und fragt anhand dieses Akteurs der Mineralölindustrie nach unternehmerischen Interessen und unternehmerischer Verantwortung für die lebensbedrohlichen Arbeits- und Existenzbedingungen am Standort Porta. Neben den rüstungswirtschaftlichen Verflechtungen, den Gründerfirmen und Beteiligungsgesellschaften dieses Konzerns und seinen betrieblichen Vertretern wird auch die Rolle der NERAG als industrieller Auftraggeber für lokale und regionale Betriebe beleuchtet.

Neben der Frage, welche unternehmerische Rationalität mit der Untertageverlagerung in dieser späten Kriegsphase verknüpft war, geht es auch um die Existenzbedingungen und Produktionsverhältnisse verschleppter Arbeitskräfte. Die Erinnerungen überlebender Zeitzeugen, die von den Alltagserfahrungen im Zwangsarbeitssystem berichten, werden durch Informationen aus Behördenkorrespondenz, Prozess- und Entnazifizierungsakten ergänzt . Diese Beobachtungen zu wirtschafts- und alltagsgeschichtlichen Aspekten können für die lokale Erinnerungspraxis nutzbar sein und dazu beitragen, die Industrieverlagerung an der Porta systematisch in die rüstungswirtschaftliche Bedeutung der Region einzuordnen.

Dr. Eva Pietsch ist Historikerin und unterrichtet Deutsch und Geschichte an einer höheren Schule der Stadt Minden