Dr.-Jørgen-Kieler-Medaille 2025 verliehen

Am 20. November 2025 fand im Bürgerhaus Porta Westfalica die fünfte Verleihung der Dr.-Jørgen-Kieler-Medaille statt. Vor rund 75 Gästen ehrte die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica in diesem Jahr die ehemaligen Schülerinnen der AG „Das Leben ist schön“ des Gymnasiums Porta Westfalica sowie posthum  Reinhold Blanke-Bohne für seine Forschungsarbeit. Bürgermeisterin Anke Grotjohann hielt die Laudatio. Sie betonte, das die Aufarbeitung der NS-Verbrechen an der Porta Westfalica kein Selbstläufer war, sondern der Mut und die Hartnäckigkeit der Geehrten erst zum allmählichen Aufbrechen des aktiven Beschweigens der Vergangenheit geführt hat.

Die Ehrung entgegen nahmen Stefanie Könnecke, Wiebke von Bernstorff, Heike Hielscher-Fuchs, Antje Hilpert und Susann Wallmann. Petra Schumacher konnte aus Termingründen nicht anwesend sein, zu Dagmar Böke konnte nach knapp 40 Jahren kein Kontakt mehr hergestellt werden. Beiden wird die entsprechende Urkunde, wenn möglich, nachträglich zugestellt. Die Schülerinnen hatten sich Ende der 1980er-Jahre intensiv mit der NS-Geschichte der Stadt auseinandergesetzt – zu einer Zeit, in der dieses Thema in Porta Westfalica weitgehend verdrängt wurde. Trotz deutlicher Widerstände aus der Bevölkerung setzten sie ihre Recherchen fort und machten erstmals umfassend auf die Existenz der KZ-Außenlager aufmerksam. Es wurden sogar Schulverweise und disziplinarische Maßnahmen für den AG-Lehrer Gerhard Bothe gefordert. Ihre Arbeit führte nicht nur zur Veröffentlichung eines Textes des ehemaligen Häftlings Pierre Bleton, sondern bereitete auch den Weg für die später entstandene Gedenkstätte und das Mahnmal in Hausberge. Für diesen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der lokalen Geschichte wurden sie nun ausgezeichnet. Ebenfalls geehrt wurde Reinhold Blanke-Bohne, dessen Diplomarbeit aus dem Jahr 1984 die erste systematische Untersuchung der unterirdischen Rüstungsstandorte und der drei Außenlager des KZ Neuengamme an der Porta Westfalica darstellte. Seine Forschung bildet bis heute einen wesentlichen Baustein der Wissens- und Vermittlungsarbeit der Gedenkstätte. Für den bereits 2002 verstorbenen Blanke-Bohne nahm seine Witwe Elke Seiker die Ehrung entgegen.

Die Medaille erinnert an den dänischen Mediziner und Widerstandskämpfer Dr. Jørgen Kieler, der selbst im KZ-Außenlager Barkhausen Zwangsarbeit leisten musste und sich zeitlebens für die Bewahrung der Erinnerung einsetzte. Seit 2017 würdigt die Gedenkstätte mit der Auszeichnung alle zwei Jahre Personen und Initiativen, die sich in besonderer Weise für Menschlichkeit, Frieden und Völkerverständigung engagieren. Die diesjährige Verleihung machte deutlich, wie wichtig beharrliches Engagement – ob wissenschaftlich oder zivilgesellschaftlich – für die Erinnerungskultur vor Ort ist. Die Ausgezeichneten stehen exemplarisch für Menschen, die durch ihren Einsatz dazu beigetragen haben, das Thema sichtbar zu machen und eine offene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu ermöglichen.