Am 09. Juli 2026, kurz vor Beginn der Sommerferien in NRW, startet die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica ihre neue Veranstaltungsreihe „Zukunftsdenken“. In der Ausstellung „Am Ende des Tunnels kein Licht“ auf dem Dr.-Jørgen-Kieler-Platz in Porta Westfalica – Barkhausen präsentieren vier Referentinnen und Referenten an vier Sommerabenden ihre Visionen und Konzepte für ein zukünftiges Miteinander. Der Beginn auf dem Dr.-Jørgen-Kieler-Platz ist jeweils um 19 Uhr. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei, Spenden zugunsten der Gedenkstättenarbeit sind aber jederzeit willkommen.
Im Rahmen der Veranstaltung mit Angehörigen von Opfern und Überlebenden der KZs in 2026 regten die Teilnehmenden an, Räume für positive Zukunftsvisionen und Utopien zu öffnen ohne sie sofort mit Bedenken zur Machbarkeit wieder zu schließen. Die Veranstaltungsreihe nimmt diesen Impuls auf und bietet an vier Abenden die Möglichkeit, über realistische und unrealistische Ideen für ein zukünftiges Miteinander in den Austausch zu kommen.
Den Auftakt macht der Mindener Marcel Komusin. Sein Thema am Donnerstag, dem 09. Juli ist die Popkultur, in der nicht erst in den letzten Jahren ein Übergewicht von Endzeitphantasien festzustellen ist. Zurecht stellt er die Frage „Wo sind die Utopien geblieben?“. Dabei geht es ihm nicht um eine Rückkehr zu Heilsversprechen sondern um die Utopie als kritische Denkform, als Gegenbild zur Gegenwart und als Erinnerung daran, dass das Bestehende nicht alternativlos ist.
Am 23. Juli ist der Psychologe und Arbeitssoziologe Dr. Martin Vogel zu Gast an der Ausstellung der Gedenkstätte. „Arbeit macht Spaß - … deshalb heißt sie ja auch so!“, so lautet sein Thema, das aktueller wahrscheinlich nicht sein könnte. Es wundert wenig, dass eine positive Zukunftsvision der Arbeit, eine Arbeitsutopie vor allem eins meint: „Weniger Arbeiten“ Doch dies muss nicht so sein - zumindest, wenn man sich eine Arbeit sucht, die man wirklich, wirklich liebt. Nur: Ist es dann noch Arbeit? - Und: Wie verhält es sich mit einem „Recht auf Faulheit“. Fragen wie diesen geht der Vortrag nach - aber, keine Sorge: ganz entspannt ...
Hélène Bangert ist nicht nur Architektin, sie hat auch die Ausstellung „Am Ende des Tunnels kein Licht“ in Barkhausen für die Gedenkstätte mit kuratiert. Ihr Vortrag am 30. Juli ist also ein absolutes Heimspiel und trägt den Titel „Think big! Architektur und Gedenkstätten in der Provinz größer denken.“ Im Rahmen ihrer Masterthesis im Studiengang Architektur hat Hélène ein Konzept für ein landschaftlich und architektonisch markantes Gebäude an der Porta Westfalica entworfen. Der Entwurf sollte einen engen Bezug zu seiner Umgebung und Verortung aufnehmen und so war schnell klar, dass ein solch geschichtsträchtiger Ort unter dem Kaiser Wilhelm Denkmal eine gute Basis dafür bietet historische Themen aufzugreifen und Tourismus, Forschung und Gedenken zusammenzubringen. Ihr daraus entstandenes Konzept öffnet als Denkmodell spannende Möglichkeiten und Visionen für kleine Gedenkorte im ländlichen Raum.
Für den Abschluss der Reihe stellt Sven Panthöfer am 27. August noch einmal eine völlig andere Vision des zukünftigen Miteinander vor. „Gemeinsam gärtnern: Solidarische Landwirtschaft“, so sein Titel. Was ist eine solidarische Landwirtschaft und wie funktioniert diese Form des gemeinsamen Wirtschaftens? Sven Panthöfer beantwortet diese Frage und stellt das lokale Mindener Projekt des gemeinsamen Gemüseanbaus vor. Die Idee der Solidarischen Landwirtschaft, kurz Solawi, gibt es bereits seit einigen Jahrzehnten und ist in Deutschland mit zahlreichen Betrieben vertreten. Gemeinsam führt eine Gemeinschaft einen landwirtschaftlichen Betrieb und teilt sich die Erträge wie beispielsweise eine wöchentliche Gemüseernte. Die solidarische Gemeinschaft ist hier essentieller Bestandteil der Zukunftsidee.
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