Am Mittwochabend, dem 12. November 2025, war Prof. Dr. Wolfgang Benz mit seinem Vortrag „Zukunft der Erinnerung“ zu Gast in der Aula des Ratsgymnasiums in Minden. Die Veranstaltung wurde von der KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica e.V. in Kooperation mit dem Mindener Geschichtsverein e.V. ausgerichtet.
In seinem Vortrag zeichnete Wolfgang Benz die Entwicklung der deutschen Erinnerungskultur seit dem Ende des Nationalsozialismus nach. Er beschrieb die unmittelbaren Nachkriegsjahrzehnte als eine Zeit des Nichterinnernwollens, in der der Begriff der „Vergangenheitsbewältigung“ vor allem das Unbehagen vieler Deutscher widerspiegelte, sich mit der eigenen Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen auseinanderzusetzen. Die militärische Niederlage und die politische Ohnmacht unter alliierter Besatzung seien häufig als Demütigung empfunden worden, während der demokratische Wiederaufbau als eine Form der erzwungenen Sühne galt.
Benz betonte, dass eine breitere gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust erst spät eingesetzt habe. Einen entscheidenden Impuls habe Ende der 1970er Jahre die Ausstrahlung der US-amerikanischen Fernsehserie „Holocaust“ gegeben. Als wichtigen Wendepunkt der deutschen Erinnerungskultur stellte er zudem die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag des Kriegsendes heraus, die das Ende des Zweiten Weltkriegs als „Tag der Befreiung“ einordnete und den Grundstein für eine selbstkritische, opferorientierte Gedenkkultur legte.
Im Zentrum des Vortrags stand die Frage nach der Zukunft der Erinnerung. Benz machte deutlich, dass Erinnerung nicht Selbstzweck sei, sondern einen politischen und moralischen Auftrag beinhalte. Aus der Auseinandersetzung mit den Verbrechen der NS-Zeit ergebe sich die Verpflichtung zur Verteidigung der Demokratie und zum entschiedenen Widerstand gegen autoritäre, rassistische, antisemitische und menschenverachtende Ideologien. Diese seien, so Benz, auch in der Gegenwart in Gestalt rechter Populisten, Demagogen und anderer Demokratiefeinde wieder sichtbar.
Abschließend appellierte der Historiker an die Verantwortung kommender Generationen, Erinnerung wachzuhalten, auch wenn die Zeitzeugenschaft zunehmend ende. Bildung, Aufklärung und eine lebendige Gedenkkultur seien unverzichtbar, um historische Erfahrungen in die Zukunft zu tragen.
Der Vortrag stieß auf großes Interesse und wurde von den Anwesenden aufmerksam verfolgt.
Im Anschluss nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit zum Gespräch und zur weiteren Diskussion. Die Veranstalter zeigten sich mit dem Verlauf des Abends sehr zufrieden und dankten Prof. Dr. Wolfgang Benz für seinen eindrucksvollen und nachdenklich stimmenden Beitrag.
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